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Gefahrstoffe
in Gebäuden

Die wichtigsten Schadstoffe in Bestandsimmobilien – mit Vorkommen, Gesundheitsrisiko, Rechtsgrundlage und weiterführenden Quellen. Diese Übersicht ersetzt kein Gutachten, gibt aber Orientierung, wann eines erforderlich ist.

Asbest KMF / Mineralfaser PCB PAK PCP / Lindan Schimmel
01
Asbest
Krebserzeugend Kat. 1A
Verbot in Deutschland
31. Oktober 1993
Generalverdacht
Baujahr vor 1993
Regelwerk
TRGS 519
Latenzzeit
20–40 Jahre

Was ist Asbest?

Asbest ist ein natürlich vorkommendes, faserförmiges Mineral, das wegen seiner Hitzebeständigkeit, mechanischen Stabilität und Isolierwirkung jahrzehntelang in über 3.000 Produkten eingesetzt wurde. Beim Einatmen gelangen die mikroskopisch feinen Fasern tief in die Lunge, wo sie nicht abgebaut werden und nach langer Latenzzeit Asbestose, Lungenkrebs oder Mesotheliome verursachen können.

Wo kommt Asbest in Gebäuden vor?

  • Faserzement-Dachplatten und Fassadenelemente (Eternit)
  • Bodenbeläge (Floor-Flex-Platten, Cushion-Vinyl, Kleber)
  • Spachtelmassen, Brandschutzbeschichtungen, Putze
  • Nachtspeicheröfen, Heizungsabdichtungen, Rohrisolierungen
  • Dichtschnüre an Türen und Öfen

Rechtslage

Mit der Novelle der Gefahrstoffverordnung (in Kraft seit 21.12.2025) gilt für alle Gebäude mit Baujahr vor dem 31. Oktober 1993 eine gesetzliche Asbestvermutung. Bauausführende Unternehmen sind erkundungspflichtig, Eigentümer haben eine Informationspflicht zur Bau- und Nutzungsgeschichte.

02
Künstliche Mineralfaser (KMF)
Alte Wolle: krebsverdächtig
Kritisches Material
vor Juni 2000
Regelwerk
TRGS 521 / 905
Faserdurchmesser
unter 3 µm
Entsorgung
Deponieklasse I+

Was ist KMF?

Künstliche Mineralfasern (Glas-, Stein- und Schlackenwolle) wurden seit den 1960er Jahren als Dämmstoff eingesetzt. Alte Mineralwolle vor Juni 2000 erfüllt die Bio-Löslichkeits-Kriterien nicht und ist in Kategorie 2 (krebsverdächtig) eingestuft. Beim Rückbau freigesetzte Fasern können Atemwege, Haut und Augen reizen und gelten als potenziell krebserzeugend.

Wo kommt KMF vor?

  • Dachdämmung, Geschossdecken, Trockenbauwände
  • Hinterlüftete Fassaden, Außenwanddämmung
  • Rohrleitungs- und Kesseldämmungen
  • Schallschutz in Zwischenwänden und Geschossdecken

Rechtslage

Seit dem 01.06.2000 dürfen krebserzeugende Mineralfasern in Deutschland nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Vor diesem Datum verbaute KMF gilt als gefährlicher Abfall und ist nach TRGS 521 zu sanieren.

03
PCB
Persistent, kanzerogen
Verbot in Deutschland
1989
Risiko-Baujahre
1955–1985
Sanierungs­schwelle
3.000 ng/m³
Regelwerk
PCB-Richtlinie '93

Was sind PCB?

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind eine Gruppe von Industriechemikalien, die wegen ihrer thermischen Stabilität und elektrischen Isolierung in Weichmachern, Brandschutz, Fugendichtmassen und Transformatorölen eingesetzt wurden.

Wo kommen PCB in Gebäuden vor?

  • Dauerelastische Fugendichtmassen (Fenster, Fassaden, Sanitärbereich)
  • Anstriche und Beschichtungen in Sporthallen und Schulen
  • Brandschutz-Spritzbeschichtungen
  • Kondensatoren und Transformatoren

Rechtslage

Die PCB-Richtlinie von 1994 regelt Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe. Ab einer Raumluftkonzentration von 3.000 ng/m³ ist eine Sanierung nach TRGS 900 zwingend.

04
PAK
Krebserzeugend
Risiko-Baujahre
vor 1970
Hauptquelle
Teerprodukte
Leitsubstanz
Benzo[a]pyren
Regelwerk
DGUV 101-004

Was sind PAK?

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen bei der unvollständigen Verbrennung organischer Stoffe und finden sich in Teer, Bitumen und Pech.

Wo kommen PAK in Gebäuden vor?

  • Teer-Parkettkleber unter alten Holzböden
  • Bitumen-Dachpappen, Anstriche
  • Korkparkett-Verlegung mit teerhaltigen Klebern
  • Holzschutzmittel (Carbolineum)
05
PCP & Lindan
Holzschutz-Klassiker
Verbot PCP
1989
Verbot Lindan
2007 (EU)
Hauptbelastung
Dachstühle 60–80er
Regelwerk
PCP-Richtlinie

Was sind PCP und Lindan?

Pentachlorphenol (PCP) und Lindan (γ-HCH) waren in Holzschutzmitteln wie Xyladecor und Xylamon enthalten und wurden vor allem in Dachstühlen, Holzverkleidungen und Möbeln eingesetzt.

Wo kommen sie vor?

  • Dachstuhl-Balken in Bauten der 60er bis 80er Jahre
  • Holzvertäfelungen, Sichtdachstühle
  • Möbel und Einbauschränke mit Behandlung
06
Schimmel
Biogen, allergen
Häufige Ursache
Feuchte/Wärmebrücken
Ab Schimmelfläche
> 0,5 m² → Fachbetrieb
Leitfaden
UBA-Schimmelleitfaden
Auswirkung
Atemwege, Allergien

Was bedeutet Schimmelbefall?

Schimmelpilze sind ein biogener Schadstoff und entstehen, wenn Feuchtigkeit auf organisches Material trifft. Sie geben Sporen und Mykotoxine an die Raumluft ab und können Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen auslösen.

Typische Ursachen

  • Wärmebrücken in Außenecken, hinter Möbeln
  • Wasserschäden und unzureichende Bautrocknung
  • Falsches Lüftungsverhalten
  • Aufsteigende Feuchte aus dem Mauerwerk

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